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Eberhard Schröder

Nun also auch Johannes Christ

Nachdem in Blankenburg mehrfach der kaiserliche Marineoffizier Karl von Müller für seine fragwürdigen militärischen und politischen Leistungen gewürdigt wurde, will sich die Stadt nun offensichtlich an die Herrichtung der Grabstätte von Johannes Christ machen.

Wer war Johannes Christ?

Der am 07.01.1855 in Frankfurt/O. geborene Christ war Major der Kaiserlichen Marine im 3. Seegeschwader. Dieser Verband wurde mit dem Geist der „Hunnenrede“ von Kaiser Wilhelm II. nach China geschickt. Das Aufbegehren von Teilen der chinesischen Bevölkerung gegen die imperialistische Kolonialherrschaft („Boxeraufstand“) sollte niedergeschlagen werden. Wilhelm II. sagte am 27.08.1900 in einer Rede zu den Soldaten: Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht!“

Die deutschen Truppen gingen dementsprechend brutal und ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung in einer Stärke von 20.000 Soldaten, davon 3.000 Matrosen vor. Major Christ war Kommandeur der SMS Irene und befehligte bei einem Landeinsatz zwei Kompanien, die unmittelbar an der Niederschlagung des Aufstandes in Tientsin beteiligt waren.

Johannes Christ überlebte die Niederschlagung des „Boxeraufstandes“, starb jedoch am 14.02.1902 in Tsingtau. Möge er wie Karl von Müller weiter in Blankenburger Erde ruhen.

Die geplante Restaurierung des Christ-Grabes als Pflicht der Stadt zu bezeichnen und das ohne eine kritische Bewertung der Taten des deutschen Kolonialismus, ist offensichtlich inzwischen typisch für Blankenburg und die Vertreter der außer Dienst gestellten Emden.

Ich weiß nicht, ob die möglichen chinesischen Investoren in Blankenburg nur wirtschaftliche Interessen verfolgen oder ob sie auch diese Art der Geschichtsklitterung in Blankenburg zur Kenntnis nehmen werden.

 

Eberhard Schröder
Mitglied des Kreistages Harz