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Eberhard Schröder

Harzklinikum ist ein Organismus - deshalb sind Ausgliederungen und Lohnsenkungen der falsche Weg

Die Entscheidung, die Reinigungsleistungen im Krankenhaus Wernigerode auszugliedern, ist falsch. Aus meiner Sicht ist ein Krankenhaus ein Organismus, zu dem ärztliche Kunst und qualifizierte Pflege ebenso gehören wie akkurate Reinigungsleistungen und kompetente Verwaltungsarbeit.

Mit der jetzigen Entscheidung versucht man, die Schuld für die finanzielle Misere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zuzuschieben und zugleich den Eindruck zu erwecken, dass sich durch die Ausgliederung die Situation auf Dauer entschärfen würde. Dem ist nicht so. Ich erinnere nur daran, dass das Harzklinikum mit der gleichen Begründung bereits 2009 den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst verlassen hat.

Die Ursache für die finanzielle Misere, in der sich übrigens über die Hälfte der Krankenhäuser in Deutschland befindet, liegt vielmehr in den sogenannten Gesundheitsreformen, die seit über 20 Jahren das Gesundheitswesen ökonomisiert haben. So stellt diese Politik nicht mehr die Patienten in das Zentrum der Bemühungen, sondern die Kosten, die deren Behandlung verursacht. Dazu hat man die sogenannte Fallpauschale eingeführt und damit den Menschen im Krankenhaus, ob Patient, Arzt, Reinigungskraft, Pfleger oder Verwaltungsmitarbeiter, zum Kostenfaktor degradiert.

Hier ist eine politische Wende erforderlich. Die Krankenhausversorgung muss wieder zu einem immanenten Teil der Daseinsvorsorge werden, die für die Menschen da ist und von ärztlicher Ethik bestimmt wird. Der sogenannte freie Markt, in dem die Gesundheit des Menschen zur Ware wird, steht dem diametral gegenüber. Deshalb handelt für mich der Prokurist mit seiner Forderung nach marktüblichen Preisen nicht im Interesse des Harzklinikums.

Ich habe mich als Mitglied des Kreistags und der Gesellschafterversammlung des Harzklinikums immer gegen diese Entwicklung ausgesprochen. Doch es gibt auch auf kommunaler Ebene Mehrheiten, die im Gesundheitswesen auf Marktmechanismen setzen.

Wie soll diese marktgerechte Ausrichtung weitergehen, welche weiteren Bereiche sollen dem freien Markt unterworfen werden? In Cuxhaven hatte der Rhönkonzern vor, die dortige Kinderklinik zu schließen. Begründung: die Kinderklinik bringt keinen Profit. Doch wer sich mit der Problematik beschäftigt weiß, dass es Kinderkliniken kaum schaffen, kostendeckend zu arbeiten. Die Fallpauschalen werden der tatsächlichen Arbeitsbelastung in der Pädiatrie (Kinder- und Jugendmedizin) nicht gerecht. Erst massive Proteste verhinderten in Cuxhaven die Schließung.

Im Zusammenhang mit der Ausgliederung sehe ich eine große Verantwortung vor allem bei der Ärzteschaft und bei den Patienten. Deren Meinungsäußerungen wären generell wichtig für eine öffentliche Diskussion zur Entwicklung unseres Klinikums und zur Änderung der herrschenden Gesundheitspolitik.

Die Fusion von Quedlinburg und Wernigerode verbunden mit der weiteren Profilierung des Harzklinikums ist der richtige Weg. Hier sind kurz-, mittel- und langfristig Einsparungen und Verbesserungen möglich. Für diesen Weg brauchen wir aber motivierte und leistungsgerecht bezahlte Mitarbeiter in allen Bereichen.

Dabei muß man auch im Auge haben, die bereits vor 10 Jahren in Quedlinburg ausgegliederten Bereiche zurück in den Organismus Krankenhaus zu holen.

Übrigens: Nach einer Ausgliederung und bei Bezahlung von 7,56 EUR werden Mitarbeiter mit großer Wahrscheinlichkeit den Weg zur KOBA antreten müssen. Ganze Familien werden davon betroffen sein. Der Harzkreis wird dafür aufkommen. Also könnte der Landkreis dem Harzklinikum finanzielle Mittel auf direktem Wege zuleiten und auf die Ausgliederung verzichten.

 

Eberhard Schröder

Mitglied des Kreistages