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Eberhard Schröder

Eine Ehrung in Blankenburg wirft Fragen auf

Am 04.02.2012 berichtete die Harzer Volksstimme über eine Ehrung auf dem Blankenburger Friedhof. Dort befindet sich das Grab von Karl von Müller.

Fünf Vertreter der Bundesmarine (von der Fregatte Emden, unter ihnen der Kommandant), der Bürgermeister von Blankenburg Hanns-Michael Noll (CDU), der Standortkommandant der Bundeswehr sowie Vertreter der Feuerwehr Blankenburg ehrten den ehemaligen Kommandanten (1913-1914) des Kreuzers Emden der kaiserlichen Kriegsmarine und Funktionär der DNVP (1919-1923). Weitere Blankenburger nahmen an dieser Zeremonie nicht teil.

Warum dieser Akt Widerspruch erfordert, belegt der Leserbrief von Eberhard Schröder, stellv. Vorsitzender der Kreistagsfraktion an die Redaktion der Volksstimme.

 

Am 04.02.2012 berichtete die Harzer Volksstimme über eine Ehrung auf dem Blankenburger Friedhof. Dort befindet sich das Grab von Karl von Müller.
Fünf Vertreter der Bundesmarine (von der Fregatte Emden, unter ihnen der Kommandant), der Bürgermeister von Blankenburg Hanns-Michael Noll (CDU), der Standortkommandant der Bundeswehr sowie Vertreter der Feuerwehr Blankenburg ehrten den ehemaligen Kommandanten (1913-1914) des Kreuzers Emden der kaiserlichen Kriegsmarine und Funktionär der DNVP (1919-1923). Weitere Blankenburger nahmen an dieser Zeremonie nicht teil.
Warum dieser Akt Widerspruch erfordert, belegt der Leserbrief von Eberhard Schröder, stellv. Vorsitzender der Kreistagsfraktion an die Redaktion der Volksstimme.

Eine Ehrung in Blankenburg wirft Fragen auf

Der Bericht der Volksstimme mit Foto von Bundeswehroffizieren, Bürgermeister Hanns-Michael Noll und Kameraden der Feuerwehr wirft die Frage auf: Wen ehren diese Bürger auf dem Blankenburger Friedhof? Und warum tun sie das?

Ein Blick auf die Homepage der „Bordgemeinschaft der Emdenfahrer“ bringt mehr Klarheit und noch mehr Fragen. Dort heißt es:
„Die Kreuzerkriegführung der SMS Emden galt in der ganzen Welt als bestes Beispiel für Tatkraft und Ritterlichkeit im Krieg. … Der Kleine Kreuzer S.M.S. Emden hat sich im Ersten Weltkrieg bei Freund und Feind hohes Ansehen erworben. Das ist zum größten Teil seinem Kommandanten, Fregattenkapitän Karl von Müller, zu verdanken. Die Geschichte des Schiffes, das im Indischen Ozean auf Kaperfahrt war, ist in der Tat einmalig.“
Da stockt einem der Atem. Was bewegt Menschen in Verantwortung und dem Grundgesetz verpflichtet, fast 100 Jahre nach dem furchtbaren Krieg, sich derart gestrig zu äußern und das mit einer Ehrung des Verantwortlichen zu verbinden?

Was sind die Ergebnisse von Karl von Müllers Tatkraft und Ritterlichkeit?

Kaum hatte von Müller 1913 das Kommando der Emden übernommen, beteiligte er sich in China an der Niederschlagung von Aufständen gegen die kolonialen Unterdrücker, zu denen seit 1898 auch das Deutsche Reich gehörte. Vom Kreuzer aus wurden die Aufständischen mit Kanonen beschossen bis dort wieder Ruhe einkehrte (Wikipedia).
Anschließend begab sich der Kapitän mit der Emden in den Indischen Ozean, um Handelskrieg und sogenannte Kaperfahrten zu führen. Nach unterschiedlichen Angaben versenkte von Müller 16 Handelsschiffe aus England, Frankreich und Japan. Weitere wurden gekapert
Am 9.11.1914 wurde die Emden vom australischen Zerstörer HMAS Sydney vernichtet. 136 Besatzungsmitglieder starben. Von Müller überlebte und begab sich in Kriegsgefangenschaft.

1919 übersiedelte Karl von Müller nach Blankenburg. Offensichtlich nicht, um seinen Lebensabend hier zu verbringen. Vielmehr betätigte er sich politisch in der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Als ein führender Funktionär der Partei war er bis zu seinem Tode 1923 Vorsitzender des Ortsverbandes Blankenburg und Mitglied des Braunschweigischen Landtages.

In einer Veröffentlichung des Deutschen Bundestages ist zu lesen:“ Die DNVP als Repräsentant des konservativ-monarchistischen Lagers bekämpfte das demokratische System und die mit dem Versailler Vertrag etablierte internationale Ordnung. Die DNVP vertrat die wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der ostelbischen Großagrarier und der Großindustrie.“
Im Programm der DNVP von 1920 heißt es: „Nur ein starkes deutsches Volkstum, das Art und Wesen bewußt bewahrt und sich von fremden Einfluß frei hält, kann die zuverlässige Grundlage eines starken deutschen Staates sein. Deshalb kämpfen wir gegen jeden zersetzenden, undeutschen Geist, mag er von jüdischen oder anderen Kreisen ausgehen. Wir wenden uns nachdrücklich gegen die seit der Revolution immer verhängnisvoller hervortretende Vorherrschaft des Judentums in Regierung und Öffentlichkeit.“

Entsprechend verhängnisvoll war das Wirken dieser Partei in der Folgezeit.

Jemanden zu ehren, der sich für solche Ziele einsetzte, verbietet sich einfach von selbst, in Blankenburg und an jedem Ort.

Eberhard Schröder
Mitglied des Kreistages Harz